transmuthatio - Die Macht der Phantasie
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Michael Maschka: Hermaphrodit

- Hermaphrodit -
Öl auf Leinwand, 2016

Michael Maschka
www.MichaelMaschka.de

 

Hermaphrodit

Mit Hermaphrodit ist es Michael Maschka, bei seiner stetigen Suche nach den uns innewohnenden Urbildern, erneut gelungen, sich in der für ihn bekannten Art und Weise, mythologisch-mystische Elemente meisterhaft mit fotorealistischen Darstellungen zu kontextualisieren, einem Thema malerisch zu nähern, welches die Menschheit seit Anbeginn der Zeiten beschäftigt: Das ewige Rätsel um die Dualität der Dinge.

Im Grundmotiv der Tradition der Alchemisten folgend, erhebt sich in Michael Maschkas phantastischem Bild aus dem ursprünglichen Chaos der prima materia, von den vier Elementen unserer Welt sphärisch begrenzt und doch aus diesen hervorgegangen, beschienen von Sonne und Mond, das fünfte, der Hermaphrodit, die Quintessenz allen Seins. Auf festem Stand gegründet hält er das erprobte Schwert der Macht seiner Selbstbestimmung und den Kelch des tiefen Wissens um das wahre Wesen seiner selbst in den Händen. Zu seinen Füßen liegend und urgewaltig, die gezähmten Drachen seiner abgeschlossenen Wandlung.

Der Hermaphrodit, der in unserem Sprachgebrauch nur im Maskulinum in Erscheinung tritt, ist weder männlich, noch weiblich. Er ist beides zugleich, androgyn, und noch viel mehr, denn er vereint nicht nur die beiden geschlechtstypischen Gegenpole, sondern alle Gegensätze in sich. Für den zweiköpfigen Zwitter gibt es weder innen, noch außen, kein Oben und kein Unten (mehr). Licht und Schatten, Sein und Nicht-Sein sind ihm Alles und Nichts, denn nachdem er die Chymische Hochzeit – einen intrapsychischen Prozess der coniunctio von rex und regina – vollzogen hat, bei welchem er sich selbst in vollumfänglichem Maße erkennt und annimmt, und zum „ganzen Menschen“ heranwächst, sind selbst Mikrokosmos und Makrokosmos nur noch Eines für Ihn. Er hat, frei nach C. G. Jung, „die supremen Gegensätze in Gestalt des Männlichen und des Weiblichen [...] zu einer Einheit verschmolzen, welche keine Gegensätze mehr enthält und damit inkorrumtibel ist“ und den „Höhepunkt der introspektiven Intuition erreicht, der an Kühnheit nichts zu wünschen übriglässt.“

In der Ästhetik und Unmittelbarkeit der Darstellung des von Michael Maschka gekonnt geschaffenen Bildes, wandelt sich die uns ewig fordernde Dualität zu einer in sich selbst ruhenden Monade, die uns den Archetypen des Hermaphroditen wie einen aus dem Unterbewussten hervorbrechenden, ins Tagbewusstsein herübertretenden Traum erahnen lässt, welcher uns den Weg weisen will. Doch lassen wir die einzigartige, unter der Hand des Künstlers in Form und Farbe stimmig gestaltgewordene Metamorphose für sich selbst sprechen. Betrachten wir den der profanen Welt entwachsenen Hermaphroditen als Instrument der Kontemplation, das uns auf dem Wege zum Philosophengold – der intuitiven Lösung des bipolaren Rätsels in der ultimativen Vereinigung der Gegensätze – begleiten möchte.

 


© M. Muth
Last Update: 09.09.2016